War Opa ein Nazi?
Diese Frage interessiert erstaunlich viel Leute. Ende Februar, also erst vor wenigen Wochen, hat das Nationalarchiv der Vereinigten Staaten die gesamte Mitgliederkartei der NSDAP online gestellt und man kann sich seither selbst durchklicken.
Warum ist das so? Woher kommt diese riesige Neugier? Offensichtlich hat sich ein Generationenwechsel vollzogen. Die Kinder und Enkelkinder der Kriegsgeneration wollen reden, worüber sie früher nicht reden wollten. Freilich ist die Nachschau in diesem Verzeichnis naheliegend, aber noch lange kein Beweis für die wahre Haltung meines Vorfahr, falls er darin verzeichnet ist. Man muss schon genau schauen, um dem einzelnen Menschen gerecht zu werden.
Mindestens genauso wichtig ist unsere Gemeinschaft insgesamt: Wie konnte es sein, dass ein ganzes Land, ein ganzer Staat, ein ganzes Volk der Barbarei verfällt? Auf allen Ebenen ist etwas falsch gelaufen. Vieles ist erforscht, aber auf Ebene der Gemeinden, also Mondsee, Tiefgraben, Innerschwand … ist noch ganz wenig geschehen. Das will eine Gruppe jetzt ändern. Sie hat sich letzte Woche im Rahmen einer Veranstaltung beim Aubauer in St. Lorenz formiert.
Als Vorbild dienen andere Gemeinden, die diesen Weg der Verarbeitung und Versöhnung schon gegangen sind. Thalgau hat schon vor fast dreißig Jahren begonnen. Es hat zehn Jahre gebraucht. Auch Straßwalchen hat sich mutig dieses schwierige Thema angeschaut. Herr Bachleithner, der dafür verantwortlich war, hat von den Staßwalchener Erfahrungen erzählt, wie gut es der Gemeinde getan hat und wie viel es da noch zu betrauern gab. Das Interesse war riesig, der Turnsaal zu klein.
Einen Profi hatte die Gemeinde St. Florian bei Linz zur Verfügung. Egbert Bernauer hat im Einverständnis mit der Gemeinde und dem Stift alles zusammen geschrieben. Er war ebenfalls Gast an diesem Abend in St. Lorenz und hat Tipps gegeben wie man vorgehen soll.
Straßwalchen, Thalgau und St. Florian, alle können stolz auf sich sein, denn von den rund 2100 Gemeinden Österreichs haben erst eine Handvoll ihre NAZI-Vergangenheit aufgearbeitet. Die Gruppe der Mondseeer Aktivisten will gemeinsam die Verantwortung für einen ähnlichen Prozess bei uns im Mondseeland übernehmen, von Oberwang bis Oberhofen. Sie sind sich einig, dass es hier nicht um das Anprangern vergangener Schandtaten geht, sondern um die Gegenwart, um die Heilung von vererbten Traumata, die immer noch MitbürgerInnen plagen. Es geht auch um die Zukunft, denn die Jugend kann am besten wegen unserer furchtbaren Vergangenheit den kostbaren Wert von Frieden und Demokratie erkennen.
Wer den Abend versäumt hat, kann sich trotzdem noch anschließen.
Post bitte an oder Tel. 0699-81898932
Viel hat sich dazu auch in unserer unmittelbaren Umgebung bereits getan, hier einige Links dazu:
Kindheit in Hitlerdeutschland: Neuer Film aus Thalgau
Kriegsende auf Schautafel festgehalten
Mattsee / Salzburg / Salzburg II / St. Gilgen


































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