Wilde Gestalten in der Sicherheitsgesellschaft

Es vergeht keine Saison ohne massive Gewalttätigkeiten bei Perchten- und Krampusläufen. Prügeleien und Vandalenakte scheinen an der Tagesordnung zu sein.

Was ist da los ? Soll man die Läufe verbieten oder zumindest die Sicherheitsauflagen deutlich erhöhen ? Oder wird das Brauchtum durch umfassende Sicherheitsvorkehrungen zerstört ? Oder ist es ganz anders, und es sind nur die Menschen heutzutage viel empfindlicher geworden und eigentlich ist eh alles nicht so schlimm?

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Viele Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Aber man kann vielleicht zwischen den unterschiedlichen Interessen vermitteln und Kompromisse finden. Im Folgenden sollen ein paar Vorschläge dazu skizziert werden:

1) Was ist „echte Tradition“?

Ist es mit der Tradition vereinbar, wenn Krampusse oder Perchten ihre Läufe nüchtern antreten oder müssen sie das im alkoholisierten Zustand tun?
Dürfen Ruten z.B. mit Drahtstücken durchzogen sein, damit die Schläge mehr schmerzen, oder genügt Reisig auch? Sind Schläge mit der Rute ausreichend oder verlangt die Tradition, dass Fäuste fliegen?

Viele Verletzungen passieren in Wahrheit doch nur deshalb, weil einige Brauchtumsträger maßlos über die Stränge schlagen. Das ist nicht Brauch-, sondern Missbrauchtum.
Eine Selbstverpflichtung der Perchten- und Krampusvereine, sich auf traditionelle Verhaltensweisen zu beschränken, hätte bereits einen heilsamen Effekt, ohne dass die Ausübung des Brauchtums auch nur geringfügig eingeschränkt wird.

2) Doppelfunktion der Masken

Ohne Masken gibt es keine Krampusse und Perchten, sondern Witzfiguren. Die aufwändige und oft kostspielige Maskierung und Kostümierung ist sicherlich einer der Hauptgründe, weshalb dieses Brauchtum auch heute noch so viele Menschen fasziniert.
Masken eignen sich andererseits jedoch auch perfekt dazu, die Sau rauszulassen, weil man schön unerkannt bleiben kann. Wer ein wenig gewaltbereit veranlagt ist, der kann durch die Maske schnell in Versuchung geführt werden, sich entsprechend auszutoben.

krampus perchten 5Um hier gegenzusteuern wird bei vielen Läufen bereits vom Veranstalter eine Nummerierung der Maskenträger vorgeschrieben, damit diese identifizierbar bleiben und auch selbst wissen, dass man sie identifizieren kann.
Es wäre aber auch Aufgabe der Passen bzw. Vereine, die Mitglieder, die unter dem Schutz der Maske gröberen Unfug anstellen, zu disziplinieren und bei wiederholten Entgleisungen ggf. aus dem Verein auszuschließen (z.B. könnten auch die Vereinsstatuten ein bestimmtes Verhalten vorschreiben). Veranstalter sollten zusätzlich Druck ausüben und Passen, bei denen solches Verhalten vorkommt, von künftigen Läufen kategorisch ausschließen. Auch Fußballgewalttäter bekommen Stadionverbot.

3) Alte Tradition in neuem Setting

Während das Brauchtum in früheren Zeiten eine eher lokale Sache war, bei der Einheimische im Wesentlichen unter sich waren, stoßen heute oft weitgereiste Eventtouristen in Scharen dazu. Wenn dann noch Hemmungen fallen und alkoholgeschwängerter Übermut dazukommt, kann sich ein ernstes Gefährdungspotential entwickeln, das niemand überraschen darf.

Selbstverständlich muss das zu neuen und verschärften Sicherheitsanforderungen führen, die vor ein, zwei Generationen noch nicht notwendig waren. Sie dienen übrigens nicht nur dem Schutz der Zuschauer, sondern fast mehr noch dem Schutz der Passen.krampus perchten 4
Dazu kommt, dass viele Menschen bei Verletzungen auch viel früher rechtliche Schritte unternehmen. Das bekommen hauptsächlich die Veranstalter zu spüren, die die Verantwortung verständlicherweise so gut es geht an die Ausführenden weitergeben wollen.

Brauchtumspuristen, denen Sicherheitsüberlegungen grundsätzlich ein Graus sind, sollten langsam einsehen, dass es anders nicht geht. Die meisten Sicherheitsauflagen der Veranstalter sind keinesfalls übertrieben, sondern im Grunde das Begleitprogramm zum Spektakel, das viele Läufe mittlerweile darstellen.

Am effektivsten wären jedoch Eigeninitiative von Krampus- und Perchtenvereinen, indem sie versuchen, durch ein vernünftiges Verhalten Sicherheit zu ermöglichen, ohne dass das Brauchtum eingeengt wird. In Kärnten wurde bereits ein Verhaltenskodex entwickelt und auch in Oberösterreich gibt es entsprechende Überlegungen, wie Philipp Bässler, Obmann des Perchtenvereins Koppensteiner Pass, berichtet. Auch er ist überzeugt, dass solche Verhaltensregelungen seitens der Vereine am besten geeignet sein dürften, um die Läufe von negativen Begleiterscheinungen zu befreien.
Es kann schließlich nicht sein, dass die, die das Brauchtum bewahren und authentisch ausüben wollen, untätig bleiben, wenn es schwarze Schafe unter ihnen in Verruf bringen.

Autor: Andreas Schuberth
www.ineventu.at

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