Neuestes Blaichinger-Buch

Neuestes Blaichinger-Buch

„Ich komme aus dem Staunen und Wundern nicht mehr heraus.“

Im kommenden August erscheint in der edition irrsee das neue Buch des Publizisten und freien Autors Norbert Blaichinger (64) aus Zell am Moos. Es trägt den Titel „Helmut S. Unschuldig“.

ML24: Lieber Norbert, demnächst erscheint dein neues Buch „Helmut S. Unschuldig.“ Worum geht es darin?
Blaichinger: Es geht um die Frage, ob Helmut S. im Juli 2013 nach einer Feier im Tennisclub Gmunden die Tanzlehrerin Ingrid S. niedergeschlagen, vergewaltigt und durch unterlassene Hilfeleistung getötet hat. Und nach mehrmaligem Studium aller mir zugänglichen Akten muss ich sagen, ich habe keinen einzigen Beweis für seine Schuld gefunden. Und da befinde ich mich in Einklang mit der Verteidigung des Helmut S. und seinem ihn unterstützenden Personenkomitee.

ML24: Was macht dich so sicher, dass Helmut S. unschuldig ist?Helmut S. Cover NEU 7
Blaichinger: Ich habe nicht gesagt, dass Helmut S. unschuldig ist, das muss ein Geschworenengericht entscheiden, ich bin nur für eine Wiederaufnahme des Prozesses außerhalb Oberösterreichs und unter Vorlage aller Daten und Fakten, die beim Prozess 2014 am Landesgericht Wels nicht vorgelegen sind.

ML24: Was heißt das konkret?
Blaichinger: Das heißt zum Beispiel, dass dem Gericht wegen angeblicher EDV-Probleme bei der Kriminalpolizei mindestens 13 entlastende Aussagen nicht vorgelegt wurden, dass das Tagebuch der Ingrid S. nur kursorisch vor Gericht referiert und nicht durch ein psychologisches Gutachten untermauert wurde, dass der Pokal, der heute als Tatwaffe identifiziert ist und keine DNA-Spuren des Helmut S. enthält, nicht Gegenstand des Gerichtsverfahrens war und so weiter. Dazu kommt eine mediale Vorverurteilung, die einen Prozess in Oberösterreich aus Fairnessgründen gegenüber dem Beschuldigten an sich unmöglich hätte machen müssen. Und schließlich ist die ermittelnde Polizei anderen möglichen Täterspuren zu wenig konsequent nachgegangen.

ML24: Du übst auch Kritik an den polizeilichen Ermittlungen?
Blaichinger: Ich beschreibe in meinem Buch nur Versäumnisse bei kriminalistischen Ermittlungen und den Umstand, dass viele offene Fragen nicht geklärt wurden.

ML24: Bisher wurden alle Wiederaufnahmeanträge seitens der Verteidigung vom Gericht abgeschmettert. Was bedeutet das?
Blaichinger: Für mich bedeutet das, dass das Gericht mit aller Macht versucht, eine Wiederaufnahme zu verhindern. Mich erinnert das fatal an den Mord an der Taxilenkerin Claudia D. in Salzburg, bei dem der unschuldig verurteilte Peter H. siebeneinhalb Jahre in Stein schmachten musste, bis sich seine Unschuld herausstellte. Die Argumente für die wiederholten Ablehnungen in der Causa „Tanzlehrerinnenmord“ sind übrigens dergestalt, dass ich aus dem Staunen und Wundern gar nicht mehr herauskomme.

ML24: Was soll dein neues Buch bewirken?
Blaichinger: Ich hoffe, dass es viele Menschen lesen werden und damit einen Einblick in Teile unseres Polizeiapparates und Justizsystems erhalten, den sie nur mehr mit einem Kopfschütteln beantworten werden können. Ich betone aber das Wort Teile. Man sollte nie das gesamte System schlechtreden.

ML24: Danke für das Gespräch!